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Wie der Ortsname "Nempitz" entstand

In einem Bericht des Landrates vom 3. Dezember 1936 auf Grund der Verfügung K II 3316/36 vom 15. August 1936 an den Regierungs-Referendar Baron Fölckersam des Regierungspräsidenten geht folgendes hervor.
Dieser überreicht gemäß §15 Abs.1 in Verbindung mit Nr.3b der Ausführungsanweisung zu §15 der Deutschen Gemeindeordnung in doppelter Ausfertigung:
1.) 9 Aktenstücke mit den vorgeschriebenen Unterlagen für die Vereinigung von 24 zu 9 Gemeinden,
2.) eine Übersichtskarte,
3.) die Stellungnahme des Herrn Landgerichtspräsidenten in Halle und Naumburg zu der Zusammenlegung mit der Bitte, die Entscheidung des Herrn Oberpräsidenten über den Zusammenschluss der Gemeinden Oetzsch Treben und Nempitz zur Gemeinde Oetzsch und andere Gemeinden herbeiführen zu wollen:
Wegen der Begründung der Zusammenlegung bezieht sich, der Unterzeichnete dieser Zeilen Herr Dr. Jung, im Einzelnen auf die beigefügten Nachweisungen in seinen Bericht vom 30. 07. 1936. Die Notwendigkeit der Zusammenlegung liegt in allen Fällen so klar, dass die Gemeinderäte und Bürgermeister sämtlicher Gemeinden sich einstimmig für den Zusammenschluss ausgesprochen haben.
Meinungsverschiedenheiten haben sich nur bei der Frage der Namensgebung der neuen Gemeinden ergeben, konnten aber nach eingehenden Aussprachen auch in diesem Punkte aus dem Wege geräumt werden. Für die neue Gemeinde ist im Allgemeinen ein deutscher Name in Vorschlag gebracht worden. Kitzen erhielten gegenüber Hohenlohe den Vorzug, weil man die Erinnerung an das Gefecht in den Freiheitskriegen erhalten wollte, in dem Theodor Körner verwundet worden war. Die Ortsnamen Tollwitz und Oetzsch sollen nur vorläufig beibehalten und bei gegebener Gelegenheit durch sorgfältig gewählte deutsche Namen ersetzt werden.
Da die Eingemeindungsfälle in einem starken inneren und äußeren Zusammenhang unter sich stehen und die Verhältnisse durchweg gleich liegen, erlaubt sich Dr. Jung, die Vorgänge geschlossen mit diesem Sammelbericht zu überreichen.

In einer Versammlung in Oetzsch vom 22. 10. 1936 wurde die Nähe der Orte, die vielen Gemeinsamkeiten und die gemeinsame Kirchgemeinde festgestellt Aus diesen Gründen ist man für eine Zusammenlegung mit dem gemeinsamen Namen "Oetzsch". Anwesend waren in dieser Sitzung: Bürgermeister Kamprad, die Beigeordneten Franke und Künzel und die Gemeinderäte Handschuh, Piller, Max Rettig, und Willy Rettig. (Quelle Kreisarchiv Merseburg Signatur Nempitz Nr. 7).

Im Anschreiben an die Gemeinde, vom Oberpräsident der Provinz Sachsen unterschrieben und besiegelt, steht folgendes:
"Auf Grund der §§ 15 Abs.1 und 117 Abs.3 der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. 01. 1935 (RGBl.1 S.49) spreche ich hiermit den Zusammenschluss der im Kreise Merseburg gelegenen drei Gemeinden Nempitz, Oetzsch, und Treben zu einer Gemeinde mit dem Namen NEMPITZ aus und ordne hierzu folgendes an:
1.) Als Tag der Rechtswirksamkeit des Zusammenschlusses bestimme ich den 1. April 1937.
2.) Das zurzeit bestehende Ortsrecht bleibt in den drei bisherigen Gemeinden bis zum 1. Juli 1937 in Kraft. An diesem Tage tritt das neue Ortsrecht der neu gebildeten Gemeinde Nempitz in Wirksamkeit.
3.) Soweit die Wohnung oder der Aufenthalt in der Gemeinde für Rechte und Pflichten maßgebend ist, ist die Wohnung oder der Aufenthalt in den zusammengeschlossenen Gemeinden auf die Dauer der Wohnung oder des Aufenthalts in der neu gebildeten Gemeinde Nempitz anzurechnen.
4.) Durch den Zusammenschluss wird in den drei Gemeinden die Amtszeit der ehrenamtlichen Gemeindeorgane beendet."

Magdeburg, den 28. Dezember 1936

Nach Hinweisen von älteren Bürgern waren mehrere Ortsnamen zur Auswahl.
Der größere Ortsteil Oetzsch mit Kirche und Gaststätten wurde nicht genommen, weil erstens es ein slawischer Name war, zweitens ein deutscher Name genommen werden sollte und drittens gab es einen gleichlautenden Ort bei Markkleeberg.
Der Vorschlag vom ehemaligen ortsansässigen Lehrer August Zettermann, die Gemeinde "Dreidorf" zu nennen, kam nicht zur Abstimmung.
Durchgesetzt hat sich der Name NEMPITZ, vorgeschlagen von Arno Schumann aus Nempitz, der zu damaliger Zeit Kreistagsabgeordneter und Ortsgruppenleiter war. Es wird auch berichtet, dass er den Gemeinderat einen Tag vor der Entscheidung zum Schlachtfest eingeladen hatte.

Der Ursprung unserer Orte liegt aber viel weiter zurück. Die Deutung der Ortsnamen ist sehr schwierig, da man niemals die gegenwärtige Namensform zugrunde legen darf, sondern stets auf die älteste urkundlich bezeugte Schreibweise zurückzugehen hat.
Zur Zeit der Völkerwanderung (ca. 7. Jh.) gab es im Merseburger Landkreis 337 Ortschaften, von denen jetzt nicht einmal mehr die Hälfte bestehen.
In das germanisch-thüringisch besiedelte Saale-Elster-Gebiet rückten zu dieser Zeit von Osten und Südosten slawische Bevölkerungsgruppen ein und nahmen es voll in Besitz.
Die Ortsnamensbestimmung unserer Orte wird durch die Siedlungs- und Bevölkerungsgeschichte bestimmt.
Im 11. Jh kam es zur Zweisprachigkeit der einheimischen Bewohner im Verkehr mit den deutschen Feudalherren. Das Altsorbische wurde immer mehr auf die sorbische Dorfbevölkerung zurückgedrängt, bis es im Mittelalter ganz erlosch.

Im Buch, "Untersuchungen zur Ortsnamenskunde und Sprach- und Siedlungsgeschichte des Gebietes zwischen mittlerer Saale und Weisen Elster", von Ernst Eichler und Hans Walther, steht über unsere 3 Orte folgendes:
Oetzsch, als unser ältester Ortsteil, ist 1197 als Ovziz überliefert. Es kommt aus dem Altsorbischen von ov`ca = "Schaf" und weist vielleicht auf einen Schafszüchter oder -hirt hin.
Treben wurde 1477 erstmalig urkundlich erwähnt und ist schwer näher zu bestimmen. Der slawische Name "treb" bedeutet "Rodung".
Nempitz ist als Nemptitz 1474 beschrieben. Es könnte aus dem Altsorbischen Nemtici stammen und den Personennamen Nemota vertreten. Hier könnte der Sitz der Familie Nemot gewesen sein.
Im Heimatbuch von Merseburg schreibt Emil Schurig, das Oetzsch in seinem Namen die slawische Vokabel otec = Stammesältester hat. Auf Treben und Nempitz wird nicht speziell eingegangen. Nur soviel, dass Namen der slawischen Siedlungen häufig Zischlaute und Endungen "tz" hatten.
Der Lehrer A. Zettermann aus Oetzsch schreibt 1929 über unsere Orte folgendes: Oetzsch heißt im Sorbischen Ovziz und bedeutet Auendorf.
Zu Treben kann man lesen, es kommt von dem altslawischen Wort "treba" und heißt "Werk". Möglicherweise war es ein Dorf einer Handwerkssippe.
Nempitz ist der Typus eines sorbischen Runddorfes, während Oetzsch und Treben mehr als wendische Reihendörfer anzusehen sind.

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